Was ist Tantra?



Gruppensex mit Räucherstäbchen?
Wilde Sexorgien, jeder mit jedem?

Viele Menschen assozieren Tantra mit den oben genannten Dingen, ohne sich jemals selbst ein Bild davon gemacht zu haben.

Wir leben in einer Gesellschaft, die Sex in vielerlei Hinsicht propagiert und benutzt, in der jedoch kaum und wenn nur von einer Minderheit wirkliche Sexualität gelebt wird.

Ja – Tantra hat mit Sex zu tun und es werden auch eine Vielzahl lustvoller Methoden und Rituale eingesetzt, doch es geht im Tantra um viel mehr als um Leben nach dem Lustprinzip. Das reine Konsumieren von Lust führt zur Abstumpfung und zu Suchtverhalten, das Gegenteil von dem, was im Tantra angestrebt wird. Es geht nicht darum, ein sexuell ausschweifendes Leben zu führen, sondern es geht vielmehr darum, mehr Achtsamkeit, Sensibilität, Genuß und Liebe, jene höchste Liebe, die aus einem geöffneten, gereinigten und geheilten Herzen kommt, zu leben. Jene Liebe, die frei ist von Selbstsucht und die den anderen nicht zur Befriedigung der eigenen Bedürfnisse benutzt.
Tantra verbindet die sexuelle Energie, die wir alle in uns haben und aus der wir selbst entstanden sind, mit der Energie des Herzens. Tantra ist ein spiritueller Weg, der die sexuelle Energie zur Transformation benutzt, um den Zustand der Ekstase, das höchste Entzückt- und Verzücktsein zu erreichen. Dabei muss sich der Tantriker genauso wie der Yogi einer Disziplin unterziehen. Während der Yogi möglichst einen weiten Bogen um alles Sexuelle macht, geht der Tantriker hindurch. Tantra schließt nichts und niemanden aus der Göttlichkeit aus, sondern bejaht und akzeptiert Gegensätzliches.

In unserer Realitätsebene sind wir ständig mit den gegensätzlichen Polaritäten wie gut und böse, schön und hässlich usw. konfrontiert und aufgrund unserer Erziehung durch das Elternhaus, die Gesellschaft und die Religionen werden wir dazu angehalten nur die guten, akzeptablen Seiten zu zeigen und alles andere zu verdrängen und zu verleugnen. Tantra kennt keine Moral und strengen Regeln, an die man sich halten sollte, nichts ist schlecht und falsch, dass man tunlichst vermeiden sollte, sondern alles ist Erfahrungssache, das Leben selbst ist der Meister, von dem man viel lernen kann, vorausgesetzt man ist bereit hinzuschauen und die Wahrheit zu erkennen.
Der Körper dient dazu als Tempel der Seele, die sich im Hier und Jetzt ausdrücken will. Er braucht zu Lebzeiten nicht sublimiert oder abgestoßen zu werden um Gott zu verwirklichen, sondern der Körper ist bereits Ausdruck des Göttlichen. Er ist ein wunderbares Instrument in dem die Schöpfung sich als gegensätzliche Pole – Shiva und Shakti, männliche und weibliche Energie, Plus und Minus manifestiert.

Osho sagt in dem Buch  „The supreme understanding“ über Tantra:

„Sag ja. Sag ja zu allem. Du brauchst nicht zu kämpfen, Du brauchst nicht zu schwimmen – lass Dich einfach treiben. Der Fluss fließt von allein, in seinem eigenen Rhythmus, und alles mündet in den einen Ozean.
Erschaffe keine Widerstände, treibe den Fluss nicht an, gehe einfach mit ihm. Dieses mit dem Fluss fließen, sich treiben lassen mit ihm, entspannen mit ihm ist Tantra“.


Wir sind als göttliche sexuelle Wesen geschaffen worden – Kundalini Shakti, die Schöpferkraft schlummert in jedem von uns. Ohne diese Energie könnten wir nicht existieren. Bei den meisten Menschen schlummert diese Energie jedoch wie eine zusammengerollte Schlange im Beckenboden. Im Tantra als auch im Yoga geht es darum diese Energie zu aktivieren und aus dem Beckenboden durch alle Energiezentren (Chakren) nach oben zu leiten. Diese Energie will sich entfalten, sie strebt vom niedrigen zum höchsten und darf wie auch immer sie sich zeigt, nicht unterdrückt werden.
Während Yoga das Zurückziehen der Sinne von der äußeren Welt lehrt, was ja auch nicht verkehrt ist, um sich der Vorgänge im Inneren bewusst zu werden, lehrt Tantra das Kultivieren der Sinne im Außen, wodurch man wiederum sensibler wird für die Gefühle im Inneren.

In den Yamas und Niyamas der Yogis (Verbote und Gebote) gibt es das Yama (Gebot) Brahmacharya, das die sexuelle Enthaltsamkeit lehrt. Viele Yogis meinen, dieses hohe, auch ethische Ziel durch absolute Enthaltsamkeit, das Zölibat erreichen zu können und verurteilen bzw. spalten die sexuellen Triebe, die ja auch eine Manifestation der Kundalini Energie in den unteren Chakren Muladhara (Wurzelchakra) und Svadishana Chakra (Sexualchakra) darstellt, ab. Diese Chakren werden meistens nicht aktiviert und wenn, dann nur ganz wenig. Die Lebensenergie will jedoch im ganzen Körper fließen, in allen Chakren aktiv sein und sich ausdehnen. Dabei können wir nicht die unteren Chakren ausklammern und nur die oberen entwickeln. Wie mein Tantralehrer immer wieder sagte: „Du kannst das Höchste nur erreichen, wenn Du auch das Niedrigste akzeptierst“.  Und der Weg der Kundalini Shakti (weibliche Energie) führt aus dem Wurzelchakra (Muladhara Chakra) durch alle Chakren hindurch nach oben zum Sitz Shivas (männliche Energie) am Scheitel des Kopfes (Sahasrara Chakra). Wenn Kundalini Shakti oben angekommen ist, erfährt der Mensch den absoluten Bewußtseinszustand, die Erleuchtung, Samadhi.

Das erste Sutra des Vigyana Bairava Tantra lautet:

„Zu Beginn der sexuellen Vereinigung richte Deine Aufmerksamtkeit auf das anfängliche Feuer und verharre darin, um die Gluthitze des Endes zu vermeiden.“

Was bedeutet das, in der Gluthitze des Feuers zu verharren?

Die Gluthitze des Feuers meint das Ansteigen der sexuellen Energie, sei es in der Vereinigung oder  gerade auch bei der Massage der Geschlechtsorgane - Lingammassage & Yonimassage gilt es in dieser Energie zu verweilen, einfach zu sein ohne etwas zu erwarten, ohne ein Ziel erreichen zu müssen, ohne die sexuelle Entladung, die Ejakulation, den Orgasmus haben zu wollen oder zu müssen. Sicher ist es nicht einfach in dieser Energie zu verweilen, die meisten Menschen wollen sie möglichst schnell loswerden. Wenn Du das jedoch gemeistert hast, dann hast du den Sex transzendiert, dann bist Du durch ihn hindurch und darüber hinausgegangen. Dann erst bist Du ein wahrer Brahmacharya geworden.

Im dem Moment wo Du loslässt, Dich der Energie hingibst ohne etwas erreichen oder Haben zu wollen, Dich dem Sex beim Sex  sozusagen enthältst, in dem Moment fließt die Energie ganz natürlich. In dem Moment können sich die gegensätzlichen Energiepole in Dir – plus und minus – Shiva und Shakti – männlich und weiblich zu einem Ganzen vereinigen – der Kreis schließt sich – die Einheit – der Zustand der Ekstase wird erfahrbar im Hier und Jetzt. Der Körper ist ein wunderbares Instrument dazu, und Tantra nutzt und verehrt dieses Instrument und bringt es durch die Praktiken zum Klingen. Den Zustand der Ekstase – der göttlichen Wonne – Samadhi zu erreichen ist das Ziel des Yoga und des Tantra. Auf dieser Ebene sind Yoga und Tantra eins.
Du hast damit nichts ausgeklammert und verleugnet aus der Göttlichkeit, sondern bist hindurch gegangen und hast es gelebt und integriert.

Die tantrische Vision leben

Die tantrische Vision leben bedeutet für mich, die tantrische Praxis immer mehr in den Alltag zu integrieren und damit ein Umfeld der Liebe und des Friedens zu schaffen. Wir sind alle spirituelle Wesen, die in einem menschlichen Körper den Weg nach Hause, zur Einheit, zur Selbstverwirklichung finden wollen, und nur im Hier und Jetzt, in dieser Realitätsebene haben wir die Chance und Möglichkeit, das zu erfahren.
Im Laufe der Jahre habe ich durch meine verschiedenen Ausbildungen und Weiterbildungen eine Fülle von Übungen, Methoden und Rituale kennen- und anwenden gelernt, die ich als Heil- und Entwicklungsprozess den Menschen anbiete.

Komm mit, ich begleite Dich ein Stück auf Deinem Weg zu Dir selbst.